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Neubauanforderungen Wohngebäude

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Neben den generellen Anforderungen an neue Gebäude werden für zu errichtende Wohngebäude folgende Anforderungen gestellt:

  • Begrenzung des Jahres-Primärenergiebedarfs auf einen individuell zu bestimmenden Maximalwert („Gesamtenergieeffizienz“)
  • Begrenzung des spezifischen, auf die wärmeübertragende Umfassungsfläche bezogenen Transmissionswärmeverlust auf einen individuell zu bestimmenden Maximalwert („Wärmeschutzanforderung“)
  • Begrenzung der Sonneneintragskennwerte oder der Übertemperatur-Gradstunden nach DIN 4108-2 („Sommerlicher Wärmeschutz“)

Die Nachweisregeln und Randbedingungen für alle drei Anforderungsgrößen sind unter Bezug auf bestimmte technische Regeln festgelegt, damit die Anforderungen eindeutig sind.

Referenzgebäudeverfahren

Die Anforderungen nehmen Rücksicht auf die individuelle Bauaufgabe: Die Größe des Gebäudes, seine (oft durch das Baugrundstück determinierte) Form und Ausrichtung sowie die Aufteilung der Hüllflächenanteile können die Möglichkeiten begrenzen, den Jahres-Primärenergiebedarf und den Transmissionswärmeverlust zu reduzieren. Deshalb werden die Grenzwerte hierfür in Deutschland mit Hilfe des Referenzgebäudes bestimmt.

 Abb. 9: Referenzgebäudeverfahren Abb. 9: ReferenzgebäudeverfahrenQuelle: BBSR


Das Referenzgebäude ist im Hinblick auf seine gesamte Geometrie, seine Ausrichtung und seine Nutzung identisch mit dem realen Gebäude. Jedoch sind die energetischen Eigenschaften der Hüllfläche (Außenwände, Dach, Fenster, Türen, Grundfläche, Wärmebrücken, Dichtheit) sowie der Anlagentechnik (Heizungs-, Warmwasser- und Klima-/Lüftungssystem) in der EnEV für den Zweck der Grenzwertberechnung vorgegeben.

Beide Gebäudeausführungen (Referenz- und reales Gebäude) müssen mit demselben Nachweisverfahren und denselben Randbedingungen berechnet werden. Moderne Softwarelösungen berechnen das Referenzgebäude im Hintergrund mit; nimmt der Planer am realen Gebäude z. B. geometrische Änderungen vor, wird das Referenzgebäude automatisch entsprechend mit verändert.

Für Wohngebäude darf der Nachweis mit zwei alternativ anwendbaren Verfahren erfolgen:

  • DIN V 18599: 2011-12 oder
  • DIN V 4108-6: 2003-06 in Verbindung mit DIN V 4701-10: 2003-08 (mit Änderungsblatt A1: 2012-07).

Bei beiden Verfahren ist der Transmissionswärmeverlust ein Zwischenergebnis.

Nach aktuellem Rechtsstand (gültig seit dem 1. Januar 2016) enthält das Referenzgebäude für die Berechnung des Höchstwertes für den Jahres-Primärenergiebedarf neuer Wohngebäude zusätzlich einen Reduktionsfaktor (0,75). Mit diesem Faktor ist das Berechnungsergebnis, das sich mit den (im Grundsatz seit 2009 geltenden) Referenzeigenschaften ergibt, bei Neubauten zu vermindern (Anforderungsverschärfung).

Der für die Hüllfläche des Referenzgebäudes bestimmte Transmissionswärmeverlust ist nach aktuellem Rechtsstand der Grenzwert für den Transmissionswärmeverlust des realen Gebäudes. Zusätzlich wird aber gefordert, dass die tabellierten Grenzwerte nach bisherigem Recht nicht überschritten werden dürfen (dies könnte insbesondere bei kleinen freistehenden Gebäuden mit höherem Fensterflächenanteil eintreten).

Der Nachweis des „sommerlichen Wärmeschutzes“ erfolgt unabhängig stets nach DIN V 4108-2: 2013-02. Dort sind auch die Grenzwerte vorgegeben. Die Norm enthält ferner Bedingungen, unter denen auf den Nachweis verzichtet werden kann. Für Wohngebäude ist dies der Fall, wenn

  • beim kritischen Raum (Raum mit der höchsten Wärmeeinstrahlung im Sommer) der Fensterflächenanteil bezogen auf die Grundfläche dieses Raums nicht mehr als 35 % beträgt und
  • sämtliche Fenster in Ost-, Süd- oder Westorientierung (inkl. derer eines eventuellen Glasvorbaus) mit außenliegenden Sonnenschutzvorrichtungen mit einem Abminderungsfaktor FC ≤ 0,30 ausgestattet sind.

Modellgebäudeverfahren („EnEV easy“)

Die Grundlage des Modellgebäudeverfahrens (auf Grund seines Ursprungs aus einem gleichnamigen Forschungsprojekt des Landes Baden-Württemberg mit der Kurzbezeichnung „EnEV easy“ bezeichnet) ist § 3 Absatz 5 EnEV 2013. Dort werden die beiden zuständigen Bundesministerien zur Herausgabe einer Bekanntmachung mit Gebäudeausführungsvarianten und zugehörigen Anwendungsvoraussetzungen ermächtigt. Die so bekannt gemachten Ausführungen sollen so gestaltet sein, dass die Erfüllung der Anforderungen des Referenzgebäudeverfahrens auch ohne Nachweisrechnungen gewährleistet ist.

Mit dem Modellgebäudeverfahren konnte eine Nachweismethode entwickelt werden, die es ermöglicht, durch einfaches Nachschlagen in Tabellen für ein neu errichtetes Wohngebäude die zur Anforderungserfüllung erforderliche bauliche Mindestqualität und die Kennwerte für den Energieausweis zu ermitteln. Das Verfahren ist für den größten Teil der Wohngebäude anwendbar, die zurzeit typischer Weise errichtet werden.

Der Anwender muss zunächst nur prüfen,

  • ob das Gebäude im Rahmen der zulässigen Größe liegt und eine übliche Raumhöhe besitzt,
  • ob sein Grundriss und seine Etagenabfolge eine ausreichend kompakte Gebäude-form ergeben, und
  • ob der Anteil der Fensterflächen sowie anderer Flächen mit relativ höherem Wärmedurchgang nicht zu groß ist.

Wenn das Gebäude dann durch eine der aufgelisteten Anlagenarten beheizt wird und keine aktive Kühlung besitzt, kann der zur Einhaltung der energetischen Anforderungen notwendigen Wärmeschutz aus den entsprechenden Tabellen für jede der dargestellten Varianten der Anlagentechnik abgelesen werden. Außerdem können der Bekanntmachung direkt die im Energieausweis einzutragenden Werte entnommen werden.

Damit ist das Verfahren aber nicht nur als „Schnellverfahren“ geeignet, sondern auch als „erster Einstieg“ in Fällen, in denen später ein rechnerischer Nachweis zur Optimierung vorgesehen ist. Da das Modellgebäudeverfahren allerdings jeweils „auf der sicheren Seite“ liegt, bietet die Anwendung des Referenzgebäudeverfahrens wegen der breiten Optimierungsmöglichkeiten beim Ergebnis in der Regel deutliche Vorteile vor dem Modellgebäudeverfahren.


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