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Allgemeine Hinweise

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Berechnungsfehler erkennen und vermeiden

Es kann frei festgelegt werden, ob die Wirtschaftlichkeitsberechnung brutto oder netto und mit realem oder nominalem Zins erfolgen soll. Diese Festlegung muss dann jedoch konsequent sowohl auf der Seite des Aufwands als auch auf der des Nutzens eingehalten werden, um falsche Ergebnisse zu vermeiden! Gleiches gilt für die Rechnung mit oder ohne Mehrwertsteuer.
Für das Erkennen und Vermeiden von Fehlern bei der Beurteilung der ökonomischen Vorteilhaftigkeit von Maßnahmen auf der Basis von Methoden der Wirtschaftlichkeitsrechnung wird empfohlen, die Vorgehensweise bei der Beurteilung von Aufwand und Nutzen zu überprüfen. Diese sollte u.a. auf beiden Seiten in folgenden Punkten übereinstimmen:

  • Brutto oder Netto: Für die Perspektive selbstnutzender Eigentümer ist es sinnvoll, stets die Mehrwertsteuer einzubeziehen.
  • Nominale oder reale Werte: Der Realzinssatz ergibt sich aus einem Nominalzinssatz durch Abzug der Inflationsrate (Beispiel: 5% Nominalzins und 2% Inflation ergeben 3% Realzins). Bei der Nutzung von Diskontierungszinssätzen und Energiepreissteigerungsfaktoren kann sowohl nominal als auch real gerechnet werden. Das Vorgehen muss jedoch einheitlich sein.
  • Nutzenergie, Endenergie oder Primärenergie: Eine Zuordnung von Energiekosten ist nur möglich, wenn der Verbrauch von Endenergie und die jeweiligen Energieträger (Öl, Gas, Holz etc.) bekannt sind.
  • Witterungsbereinigung: Für die Wirtschaftlichkeitsbetrachtung sollten die mittleren klimatischen Bedingungen am Standort berücksichtigt werden. Bei der Erfolgskontrolle der tatsächlich realisierten Energieeinsparung sollte eine Witterungsbereinigung erfolgen. Die Klimafaktoren des DWD erlauben eine Umrechnung der Heizenergieverbräuche einer konkreten Erfassungsperiode in einem konkreten Postleitzahlbereich auf die langjährigen Durchschnittsbedingungen am Referenzstandort Potsdam (der auch die Normalbedingungen für Bedarfsberechnungen nach EnEV repräsentiert).
  • Kosten der eingesparten Kilowattstunde: Die Kosten können auf End- oder Nutzenergie bezogen werden. Bei der Festlegung der Kosten für die verbrauchte Kilowattstunde muss identisch vorgegangen werden. Generell wird ein Bezug auf Endenergie empfohlen.

Einheiten beachten und umrechnen

Der falsche Umgang mit Einheiten kann zu gravierenden Berechnungsfehlern führen! Eingangswerte und Randbedingungen für die Wirtschaftlichkeitsbetrachtung weisen unterschiedliche Einheiten auf. Dies muss zwingend beachtet und die Einheiten entsprechend umgerechnet werden:

  • Kilowattstunde(kWh) versus Liter (l) / Kubikmeter (m³): Die Endenergieeinsparung wird in der Regel in Kilowattstunden angegeben. Die Energiekostenabrechnung kann je nach Energieträger ebenfalls in Kilowattstunden (Strom, Fernwärme) oder in anderen Einheiten (Gas, Öl) erfolgen. Die Umrechnung erfolgt anhand der Tabelle Energieträger.

    Energieträger Richtwerte Energiepreis und HeizwertQuelle: BBSR, Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen, LCC-Berechnungsgrundlagen bzw.* BMWi, Verbraucherpreise (inkl. MwSt) 2014

    Bei Erdgas sind unterschiedliche Abrechnungsweisen der Versorger (Heizwert, Brennwert) und ggf. bei Umrechnung von m³ auf Kilowattstunden auch die sogenannte Zustandszahl zu beachten, die den Unterschied von Druck und Temperatur des gelieferten und gemessenen Gases zu den sogenannten Normalbedingungen korrigiert.

  • Cent versus Euro: Zu beachten sind ggf. auch Unterschiede in der Einsparung - der Energiepreis wird i. d. R. in Cent angegeben, die Energiekosteneinsparung in Euro.
  • Quadratmeter oder Gesamtfläche: Falls die prognostizierte Endenergieeinsparung pro Quadratmeter angegeben ist, muss diese mit der gesamten Fläche multipliziert werden, um die gesamte Einsparung ermitteln zu können.
  • Flächenangaben: Bei Flächen ist zwischen m² Bauteilfläche, m² Wohnfläche und m² Energiebezugsfläche nach EnEV zu unterscheiden.
  • Jahr oder Betrachtungszeitraum: In der Regel ist die Endenergieeinsparung pro Jahr angegeben. Je nach Rechenmethode wird ggf. die Einsparung über den gesamten Betrachtungszeitraum benötigt.

Statische oder dynamische Wirtschaftlichkeitsrechnung

Statische Verfahren verzichten im Unterschied zu dynamischen Verfahren auf die Berücksichtigung von Zins und Zinseszins. Dynamische Verfahren sind komplexer und für die realistische Beurteilung von langfristigen Investitionen im Gebäudebestand besser geeignet.
Vorteile der statischen Verfahren sind in der einfachen Handhabung und im relativ geringen Informationsbedarf zu sehen. Bekannte Verfahren sind z.B. die Gewinnvergleichs- bzw. Kostenvergleichsrechnung, die Rentabilitätsvergleichsrechnung und die (statische) Amortisationsrechnung. Allerdings bieten diese Verfahren in der Regel keine ausreichende Basis zur Beurteilung von Investitionsentscheidungen, weil sie Zins- und Zinseszinseffekte nicht berücksichtigen. Dies ist der entscheidende Vorteil von dynamischen gegenüber den statischen Verfahren. Zu den dynamischen Verfahren zählen zum Beispiel die Kapitalwert- und die Annuitätenmethode.

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