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Gesamtenergieeffizienz-Richtlinie (2010/31/EU)

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Am 18.6.2010 wurde die Neufassung der europäischen Richtlinie vom 19. Mai 2010 über die Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden im Amtsblatt der Europäischen Union veröffentlicht. Seit dem 8.7.2010 ist sie offiziell in Kraft. Die EU verschärfte mit der Neuauflage der seit 2002 vorliegenden ersten Gebäuderichtlinie ihre Umsetzungsaufträge an die Mitgliedstaaten. Sie bekräftigte damit ihr Ziel, die Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden in Europa zu erhöhen.

Frühere Fassung: Richtlinie 2002/91/EG

Bereits auf Grundlage der ersten Gebäuderichtlinie forderte die Europäische Union von den Mitgliedstaaten unter anderem:

  • Schaffung von integrativen Bewertungsregeln für Gebäude durch die Mitgliedstaaten, die auch eine Bewertung der CO2-Emissionen umfassen können
  • Energiebedarfsgrenzwerte für Neubauten
  • Vorgabe zur Nutzung erneuerbarer Energien für neue Gebäude
  • Energiebedarfsgrenzwerte für umfassend renovierte Gebäude
  • Energiezertifizierung in Form von Energieausweisen für alle Gebäude zur allgemeinen Einsicht
  • Regelmäßige Überprüfung der Effizienz von Wärme- oder Kälteerzeugern

Die ursprüngliche Richtlinie aus dem Jahr 2002 hatte Deutschland zum großen Teil bereits mit der Energieeinsparverordnung 2002/2004 umgesetzt; nach Erlass der Energieeinsparverordnung 2007 waren alle Aufträge aus dieser Richtlinie in Deutschland vollständig umgesetzt.

Die ursprüngliche Fassung der Richtlinie finden Sie im Archiv.

Neufassung 2010

Die Neufassung der Richtlinie fordert von den Mitgliedstaaten unter anderem:

  • Einführung eines "Niedrigstenergiegebäudes" als Standard für alle Neubauten ab 2021, für behördliche Bauten bereits ab 2019: Dieser Standard beschreibt ein Gebäude, das eine sehr hohe Gesamtenergieeffizienz aufweist. "Der fast bei Null liegende oder sehr geringe Energiebedarf sollte zu einem ganz wesentlichen Teil durch Energie aus erneuerbaren Quellen - einschließlich Energie aus erneuerbaren Quellen, die am Standort oder in der Nähe erzeugt wird - gedeckt werden." (Artikel 9)
  • Berechnung des sogenannten "kostenoptimalen Niveaus" für energetische Anforderungen bei Neubauten und Bestandgebäuden durch die Mitgliedsstaaten und Vergleich mit den aktuell gültigen Mindestanforderungen. Die Berechnungsmethode wurde am 16. Januar 2012 von der Kommission vorgelegt.
  • Unabhängiges Kontrollsystem für Energieausweise: Als Qualitätssicherung für Energieausweise sollen die Mitgliedstaaten gewährleisten, dass eine statistisch signifikante Stichprobe aller jährlich ausgestellten Energieausweise überprüft wird (Artikel 18 i. V. m. Anlage 2)
  • Stärkung der Energieausweise: Der Energieausweis (oder eine Kopie davon) soll künftig bei der Vermietung oder dem Verkauf einer Immobilie/Wohnung vom Verkäufer oder Vermieter aktiv vorzulegen und auszuhändigen sein, statt - wie bisher – nur auf Verlangen. (Artikel 12)
  • Erweiterung der Aushangspflicht für Energieausweise: Die Aushangspflicht für Energieausweise soll auf alle (öffentliche und private) Gebäude erweitert werden, in denen mehr als 500 m² starkem Publikumsverkehr ausgesetzt sind. Der Grenzwert wird am 9. Juli 2015 auf 250 m² gesenkt. (Artikel 13)
  • Energiekennwerte in Immobilienanzeigen: In gewerblichen Immobilienanzeigen soll künftig auf Grundlage eines vorliegenden Energieausweises ein Indikator über die Gesamtenergieeffizienz anzugeben sein. (Artikel 12)
  • Ausstellerlisten: In jedem europäischen Land sollen regelmäßig aktualisierte Listen von Energieausweisausstellern der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. (Artikel 17)

Angesichts der von der Richtlinie vorgegebenen Umsetzungsfrist waren die Aufträge von den Mitgliedstaaten bis zum 9. Juli 2012 in nationale Rechtsvorschriften umzusetzen. Das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung unterstützte die zu dem Zeitpunkt federführenden Ministerien (BMVBS und BMWi) beratend bei der fachlichen Umsetzung.

Download "Europäische Richtlinie (2010/31/EU) über die Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden - Neufassung":

Informationen aus anderen Mitgliedstaaten finden Sie auf dem Europäischen Portal für Energieeffizienz von Gebäuden:

Aktuelle Änderungsrichtlinie 2018/844/EU

Im Rahmen des „Winterpakets 2016“ der EU-Kommission („Saubere Energie für alle Europäer – Wachstumspotenzial Europas erschließen“) wurde die Richtlinie abermals mit einer Änderungsrichtlinie fortgeschrieben, die nach Beratung und Beschlussfassung in Rat und Parlament am 19.06.2018 im Amtsblatt der EU verkündet wurde. Der daraus resultierende Umsetzungsbedarf in Deutschland wird geprüft.

Die neuen Vorschriften in der konsolidierten Richtlinie sind bis zum 10. März 2020 in nationales Recht umzusetzen, mit Ausnahme der Vorschriften der Absätze 4 der Artikel 14 und 15, die erst zum 1. Januar 2025 in Kraft treten müssen.

Konsolidierte Richtlinie gemäß Bekanntmachung vom 9. Juli 2018

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